Zum Tod von Gunther Kaschlun

NW P15 In Memoriam

Die Nachricht vom Tod des Ehrenvorsitzenden der Ruderriege und ETUF-Ehrenmitglieds Gunther Kaschlun im Juli 2020 erfüllt uns mit tiefer Trauer.

Gunther Kaschlun, geboren am 9.02.1935, hat sich seit seinem Eintritt in den ETUF 1951 große Anerkennung und Verdienste weit über unseren Landesverband hinaus erworben. Meilensteine seiner beispielhaften Karriere im Rudersport waren sein Start bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne unter widrigen Umständen sowie mehrere Deutsche Meisterschaften im Zweier mit Steuermann und im Vierer ohne Steuermann.

Bei den Europameisterschaften 1957 in Duisburg gehörte sein Sieg im Vierer-ohne zu den Beiträgen, die den DRV zum führenden Ruderverband und die Wedau zu einem anerkannten Regattaplatz auszeichneten. Durch sein Talent und seinen Trainingsfleiß eilte er im Olympiajahr 1960 im Zweier mit Steuermann souverän von Sieg zu Sieg, einschließlich der Deutschen Meisterschaft, und verpasste im damaligen Ost-West-Ausscheidungsrennen nur durch unglückliche Umstände die Qualifikation gegen die späteren Goldmedaillengewinner aus Gelsenkirchen.

Nach seiner sportlichen Karriere kehrte er 1972 mit neuem Elan zur Vereins- und Verbandsarbeit zurück und wurde Pressewart der Ruderriege. Im Deutschen Ruderverband beeindruckte er durch seine Konzepte und Ideen im Presseausschuss, ebenso durch seine Arbeitskonzepte für den Ruderclub Deutschland. Die Deutsche Olympische Gesellschaft wusste seine Mitgliedschaft zu schätzen.  

Nach ungezählten Einsätzen als Schiedsrichter – später mit internationaler Lizenz – wurde er 1974 Vorsitzender des Essener Ruder-Regattavereins und Chef der Hügelregatten. Zusammen mit kompetenten Mitstreiter aus anderen Essener Vereinen entwickelte er die Hügelregatten aus kritischer Lage wieder zu einem bedeutenden internationalen Treffpunkt. Essen wurde regelmäßig Gastgeber für Deutsche und Internationale Meisterschaften. Er verstand es, durch intensive, kontinuierliche und ideenreiche Arbeit nicht nur die weltbesten Mannschaften für den Baldeneysee zu begeistern und sie hierdurch  nach Essen zu holen, sondern er wusste auch das Vertrauen vieler Persönlichkeiten aus Politik und Sportverbänden zu gewinnen.  

Ein Stück Essener Sportgeschichte sind die Treffen von Sportlern und Funktionären aus der Bundesrepublik mit denen aus ehemals sozialistischen Ländern einschließlich der DDR in der Ruhrlandkaserne auf der Dilldorfer Höhe. Mit Stil und geschliffenen Worten in deutsch, englisch und französisch, gründlicher Sachkenntnis und beispielhaftem Engagement wusste er seine Gäste bei jeder Gelegenheit zu beeindrucken. Unvergessen bleibt beispielsweise seine Initiative, die Olympiamannschaft 1984 mit einem Empfang auf der Villa Hügel durch Berthold Beitz, damals Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees. In kameradschaftlicher Verbundenheit schuf er mit der Internationalen Wedau-Regatta die Regattakooperation Ruhr, durch die im jährlichen Wechsel eine Große Internationale Ruderregatta für das Ruhrgebiet auch in finanzieller Hinsicht gesichert werden konnte - Verbandsarbeit 1. Klasse!

Seinem Verein ETUF Essen war Gunther Kaschlun stets in Dankbarkeit verbunden. Er brachte dies mit langjähriger Vorstandsarbeit in der Riege zum Ausdruck. Zunächst gab er in verschiedene Funktionen, u.a. als Pressewart immer wieder wegweisende Impulse, bis er 1983 zum Vorsitzenden der Ruderriege gewählt wurde. Erneut entsprach er nach 5-jährigen Unterbrechung 1998 der Bitte der Riegenmitglieder, sich als Vorsitzender zur Verfügung zu stellen und managte mit Bravour das 100. Riegenjubiläum 1999, das Mitglieder und Freunde der Ruderriege in der Villa Hügel zusammenführte. In der Skigruppe der Ruderer zeigte er noch im gesetzten Ruhestandsalter sein motorisches Talent auf steilen Pisten. Dem Gesamtverein ETUF diente er - im wahrsten Sinn des Wortes - ab 1989 als stellvertretender Vorsitzender und rechte Hand von Manfred Bodin und ab 1992 bis 2001 in gleicher Funktion Jürgen Rossberg – Vereinsarbeit 1. Klasse.

Gunther Kaschlun war ein eindrucksvolles Beispiel,  wie Leistungssportler sich nach ihrer Karriere mit ihrer Erfahrung dem Sport und ihrem Verein zur Verfügung stellen können. Für ihn war der (Ruder)Sport nicht nur Training, Wettkampf und Medaille, sondern eine lebenslange innere Verpflichtung und Bildung – Ruderkameradschaft 1. Klasse.

Lang ist die Liste seiner Auszeichnungen, u.a. wurde er 1990 mit der Plakette der Stadt Essen für hervorragende Sportführung ausgezeichnet; er erhielt die Plakette für besondere Verdienste als höchste Auszeichnung des Deutschen Ruderverbandes für ehrenamtliche Tätigkeit auf dem Rudertag 1997 in Essen und aus der Hand des damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau erhielt er die Sportplakette als ebenfalls höchste Auszeichnung des Landes NRW für Verdienste um den Sport.

Der ETUF und mit ihm eine große Sportlergemeinde in Essen und weit darüber hinaus werden Gunther Kaschlun als zielstrebigen Mitstreiter in dankbarer Erinnerung behalten.

Eberhard Wühle

veröffentlicht am Freitag, 7. August 2020 um 10:10; erstellt von Hummels, Wilhelm
letzte Änderung: 07.08.20 10:32

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